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Heizkörper entlüften: Schritt-für-Schritt Anleitung vom Installateur

Thomas Weber Thomas Weber 8 Min. Lesezeit
Heizkörper entlüften: Schritt-für-Schritt Anleitung vom Installateur
Von Thomas Weber 8 Min. Lesezeit

Die Therme läuft, aber Ihre Heizkörper bleiben kalt? Häufig ist Luft im System der Grund. Als Installateur-Meister erkläre ich Ihnen in dieser Anleitung Schritt für Schritt, wie das Entlüften gelingt, welche Fehler Sie vermeiden müssen und ab wann Sie besser einen Fachmann holen.

Woran erkennen Sie, dass Ihr Heizkörper entlüftet werden muss?

Zu den Klassikern, die uns als Installateure in Wiener Wohnungen begegnen, zählt Luft im Heizsystem. Die typischen Warnsignale lassen sich klar erkennen:

  • Heizkörper wird oben nicht warm – der untere Teil heizt, aber oben bleibt er kalt
  • Gluckernde oder blubbernde Geräusche in den Heizkörpern oder Leitungen
  • Heizkörper braucht deutlich länger um warm zu werden als gewohnt
  • Einzelne Räume bleiben kalt, obwohl andere Heizkörper normal funktionieren
  • Druckverlust an der Heizungsanlage (Manometer fällt unter 1 bar)

Sobald eines dieser Symptome auftaucht, ist das Entlüften die naheliegendste Erstmaßnahme. Erfreulich dabei: Meist erledigen Sie das ganz ohne fremde Hilfe selbst.

Was Sie brauchen: Werkzeug und Vorbereitung

Um einen Heizkörper zu entlüften, reichen Ihnen schon drei Utensilien:

  • Entlüftungsschlüssel (auch Vierkantschlüssel genannt) – im Baumarkt für 2–5 Euro zu bekommen. Bei manchen Heizkörpern sitzt stattdessen ein Schlitzventil, das sich mit einem Schraubendreher öffnen lässt.
  • Auffangbehälter – ein Becher oder eine Schüssel, um das austretende Wasser aufzufangen
  • Lappen oder Handtuch – zum Auffangen von Tropfen

Wichtig: Sie finden das Entlüftungsventil oben am Heizkörper, in der Regel gegenüber dem Thermostatventil. Erkennbar ist es als kleines Ventil mit einem Vierkant in der Mitte.

Heizkörper entlüften: 6 Schritte Anleitung

Schritt 1: Heizung voll aufdrehen

Drehen Sie alle Thermostatventile in der Wohnung auf die maximale Stufe (Stufe 5) und lassen Sie die Heizung mindestens 30 Minuten arbeiten. So heizt sich das Wasser im System auf und die Luftblasen lassen sich leichter herauslösen.

Schritt 2: Umwälzpumpe ausschalten

Haben Sie Zugriff auf die Heizungsanlage, dann schalten Sie die Umwälzpumpe ab. Danach lassen Sie weitere 30 Minuten. Währenddessen steigt die Luft in die Heizkörper auf und staut sich am Entlüftungsventil. Bei Mietwohnungen mit Zentralheizung fällt dieser Schritt weg – entlüften können Sie dennoch.

Schritt 3: Mit dem obersten Heizkörper beginnen

Beginnen Sie immer mit dem Heizkörper, der am höchsten im Gebäude sitzt. Innerhalb einer Etagenwohnung kommt zuerst jener Heizkörper an die Reihe, der die größte Entfernung zur Therme hat. Positionieren Sie den Auffangbehälter unter dem Entlüftungsventil.

Schritt 4: Ventil langsam öffnen

Setzen Sie den Entlüftungsschlüssel an und drehen Sie langsam gegen den Uhrzeigersinn – eine Vierteldrehung reicht aus. Ein Zischen wird hörbar: So entweicht die Luft aus dem System. Drehen Sie nicht zu weit auf – ein vollständiges Herausschrauben des Ventils ist unnötig.

Schritt 5: Warten bis Wasser kommt

Lassen Sie das Ventil geöffnet, bis das Zischen aufhört und ein gleichmäßiger, blasenfreier Wasserstrahl herauskommt. Das nimmt je nach Heizkörper wenige Sekunden bis ein bis zwei Minuten in Anspruch. Halten Sie den Behälter griffbereit – üblicherweise treten 50 bis 200 ml Wasser aus.

Schritt 6: Ventil schließen und Druck prüfen

Drehen Sie das Ventil im Uhrzeigersinn behutsam wieder zu. Ziehen Sie es nicht zu kräftig an – fingerfest reicht, andernfalls nimmt die Dichtung Schaden. Den gleichen Ablauf führen Sie an sämtlichen übrigen Heizkörpern durch.

Prüfen Sie danach den Wasserdruck am Manometer Ihrer Heizungsanlage. Idealerweise bewegt sich der Druck zwischen 1,0 und 1,5 bar liegen (in kaltem Zustand gemessen). Fällt der Druck zu niedrig aus, füllen Sie über das Füllventil Wasser nach.

Häufige Fehler beim Heizkörper entlüften

Im Arbeitsalltag als Installateure begegnen uns stets die gleichen Missgeschicke:

  • Zu schnell aufdrehen: Öffnet man das Ventil zu weit, droht unkontrolliert Wasser auszutreten. Eine Vierteldrehung genügt.
  • Entlüften bei laufender Pumpe: Die laufende Umwälzpumpe verwirbelt die Luft im System. Ist sie aus, staut sich die Luft oben im Heizkörper – genau dort, wo das Ventil angebracht ist.
  • Nur einen Heizkörper entlüften: Die Luft breitet sich im kompletten System aus. Entlüften Sie deshalb stets sämtliche Heizkörper und fangen Sie beim höchsten an.
  • Wasser nicht nachfüllen: Das System gibt beim Entlüften Wasser ab. Sinkt der Druck unter 1 bar, arbeitet die Heizung nicht mehr einwandfrei.
  • Ventil zu fest anziehen: Am Entlüftungsventil sitzt eine empfindliche Dichtung. Wird zu kräftig angezogen, geht sie kaputt – das Ventil tropft dann auf Dauer.

Wann das Entlüften nicht reicht: Diese Probleme gehören zum Installateur

Das Entlüften ist eine unkomplizierte Maßnahme, die jeder in Eigenregie schafft. Doch nicht jede Heizungsstörung verschwindet dadurch. Rufen Sie einen Installateur für Heizungsreparatur, wenn:

  • Sie regelmäßig entlüften müssen (öfter als einmal pro Heizsaison) – dann ist das System undicht oder das Ausdehnungsgefäß defekt
  • Der Druck ständig abfällt, selbst nach dem Nachfüllen – das spricht für ein Leck an einer Leitung oder Verbindung
  • Heizkörper trotz Entlüften kalt bleiben – dann klemmt womöglich das Thermostatventil oder die Umwälzpumpe ist defekt
  • Sie braunes oder schwarzes Wasser beim Entlüften sehen – das weist auf Korrosion im System hin und macht eine Spülung nötig
  • Die Therme Fehlermeldungen zeigt oder in Störung geht
  • Sie sich nicht sicher sind, ob das Problem Luft oder etwas anderes ist

Wie kommt Luft in die Heizung?

Damit die Sache dauerhaft erledigt ist, lohnt es sich zu wissen, woher die Luft stammt:

  • Nachfüllen von Heizungswasser: Beim Befüllen kommt zwangsläufig etwas Luft ins System. Das ist üblich und verlangt ein einmaliges Entlüften.
  • Undichte Verbindungen: Winzige Undichtigkeiten an Verschraubungen oder Ventilen lassen Luft ins System eindringen – vor allem bei niedrigem Druck.
  • Defektes Ausdehnungsgefäß: Ist die Membran im Ausdehnungsgefäß beschädigt, schwankt der Druck erheblich und Luft kann ins System eindringen.
  • Chemische Reaktionen: Bei älteren Systemen setzt Korrosion mitunter Gase frei, die sich ähnlich wie Luft verhalten.
  • Defekter automatischer Entlüfter: In vielen Heizungsanlagen stecken automatische Entlüfter, die im Lauf der Zeit verschleißen und ausfallen.

Tritt ständig erneut Luft in der Heizung auf, signalisiert das einen Defekt im System. Schon eine einmalige Kontrolle durch einen Installateur kann die Ursache finden und das Problem dauerhaft beheben.

Wie oft sollten Sie Ihre Heizkörper entlüften?

Als Faustregel empfehlen wir:

  • Einmal pro Jahr jeweils zum Start der Heizsaison (September/Oktober)
  • Nach jedem Nachfüllen von Heizungswasser
  • Nach Arbeiten an der Heizungsanlage (Reparaturen, Thermenwartung)
  • Sofort, sobald Gluckergeräusche auftreten oder Heizkörper ungleichmäßig warm werden

Entlüften in Wiener Altbauten: Besonderheiten

Zahlreiche Wiener Altbauten sind mit Einrohrheizsystemen oder Schwerkraftheizungen ausgestattet, die sich von modernen Zweirohr-Anlagen unterscheiden. Das Entlüften gestaltet sich bei solchen Systemen oft aufwendiger:

  • Die Entlüftungsventile sitzen bisweilen an schwer erreichbaren Stellen
  • Bei Einrohrsystemen prägt die Abfolge der Heizkörper die Wärmeverteilung – Entlüften allein bringt hier häufig wenig
  • Alte gusseiserne Radiatoren fassen mehr Volumen und müssen länger entlüftet werden

Wenn Sie in einem Wiener Altbau wohnen und die Heizung trotz Entlüften Probleme macht, kann ein hydraulischer Abgleich durch einen Installateur die Lösung sein.

Fazit: Einfache Maßnahme mit großer Wirkung

Heizkörper entlüften zählt zu den simpelsten Wartungsmaßnahmen, die Sie als Bewohner eigenständig erledigen können. Meist ist der komplette Vorgang für eine Wohnung in unter 15 Minuten geschafft und kommt ohne Spezialwerkzeug aus.

Bringt das Entlüften keine Besserung oder müssen Sie wiederholt nachentlüften, sitzt die Ursache tiefer. Ziehen Sie dann einen Installateur hinzu, der das System fachgerecht überprüft.

Sie haben Fragen oder brauchen Unterstützung? Rufen Sie uns an unter +43 1 99 77 080 – wir helfen Ihnen gerne weiter.

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Thomas Weber
Geschrieben von Thomas Weber Installateur-Meister & Fachautor

Thomas Weber ist staatlich geprüfter Installateur-Meister bei Ihr Installateur Bozogul KG in Wien. Mit über 15 Jahren Erfahrung in Heizung, Sanitär und Gas teilt er sein Fachwissen in praxisnahen Ratgebern – verständlich, ehrlich und aus dem Arbeitsalltag heraus.

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